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Aufguss Es gibt zum Thema Aufguss bei Tee inzwischen viele verschiedene Theorien, die vermutlich alle auch auf den jeweiligen Geschmack ankommen. Eingefleischte Tee-Fans zelebrieren ihren Tee-Genuss regelrecht, wozu auch das richtige Aufgiessen gehört. Hierzu müssen bestimmte Regeln befolgt werden, die teilweise einer Wissenschaft für sich entsprechen. Letztendlich ist es aber natürlich jedem Tee-Genießer selbst überlassen, ob er diese Regeln befolgen möchte oder nicht.
Im Folgenden sollen kurz Regeln beschrieben werden, wie sie seit einigen Jahren empfohlen werden – auch wenn sie teilweise den alten Traditionen entgegenstehen.
Grundsätzlich sollten folgende Tipps beachtet werden, damit der Teegenuss auch wirklich ein Genuss bleibt:
Teeblattmenge
Tee sollte – laut heutiger wissenschaftlicher Sicht – eher mild aufgegossen getrunken werden, denn in konzentrierter Lösung. Das hat mit der Zellbewässerung und dem Flüssigkeitshaushalt im menschlichen Körper. Man kann dies mit Salzwasser vergleichen: trinkt man Salzwasser, bekommt man über kurz oder lang noch mehr Durst, weil die Salz-Konzentration innerhalb der Zellen niedriger ist als außerhalb, wodurch die Zellen das Bestreben haben, dieses Gefälle auszugleichen. In der Folge strömt Wasser aus den Zellen nach außen. Der Körper wird entwässert – und verlangt nach noch mehr Wasser, um zu seinem Ursprungs-Wassergehalt zurückzukommen. Im Tee sind viele Mineralien (auch Salze) und Vitamine (zumindest im Grüntee) enthalten. Diese würden in zu starker Konzentration das Gleichgewicht der Zellen stören und damit den Wasserhaushalt des Körpers.
Aus diesem Grund wird empfohlen, die Teeblattmenge pro Liter Wasser möglichst niedrig zu halten. Der ideale Mittelweg erscheint eine Teeblattmenge von 6-8 Gramm pro Liter. Für Früchtetees darf man auch 15-20 Gramm pro Liter veranschlagen. Kräutertees aus Rinden/Samen oder Wurzeln vertragen 10-15 Gramm pro Liter und für normale Kräutertees aus Blättern gilt die gleiche Menge wie für Grün- und Schwarztees (6-8 Gramm pro Liter).
Ziehzeit
Die Ziehzeit richtet sich bei traditionellen Tees wie Grüntee-, Schwarztee und Oolong einmal nach der jeweiligen Vorliebe des Teetrinkers als auch nach der Wirkung, die erzielt werden soll. Man geht davon aus, dass eine Ziehzeit von bis zu 3 Minuten für eine belebende Wirkung sorgt, da in den ersten drei Minuten ¾ des Koffeins aus dem Tee herausgelöst wird. Gerade auch für Grüntee gilt, dass innerhalb der ersten drei Minuten der Großteil der Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe und Elektrolyte herausgelöst werden. Ab der dritten Zieh-Minute wird der Geschmack des Tees kräftiger, die Wirkung ist immer noch belebend, jedoch wirkt der Tee zunehmend entwässernd. Dies ist zurückzuführen auf die Herauslösung von Theobromin und Theophyllin, die eine verstärkte Entwässerung bewirken. Lässt man den Tee mehr als 5 Minuten ziehen, lösen sich auch Tannine, die ebenfalls entwässernd wirken und im Übrigen auch die Resorption von Eisen aus der Nahrung und anderen Mineralien vermindern können. Diese Tannine wirken zwar antibakteriell, antiviral und antimycotisch, jedoch verlängern sie auch die Darmpassagezeit, da sie die Muskulatur von Magen und Darm beruhigen. Dadurch kann es zu Verstopfung kommen – was bei Durchfallerkrankungen durchaus von Vorteil sein kann.
Temperatur
Nach neuen Erkenntnissen darf auch grüner Tee mit siedendem Wasser übergossen werden. Lange Zeit hielt sich das Gerücht, dass der Grüntee sein Aroma am besten bei einer Temperatur von 70-80°C entfaltet. Wahr ist jedoch, dass gerade die im Grüntee enthaltenen Katechine (aber auch die sekundären Pflanzenstoffe und Mineralien) sich erst bei einer Temperatur von 100°C aus den Blättern herauslösen. Katechine gelten als Fänger von freien Radikalen und sorgen für eine langsamere Zellalterung.
Man darf also beruhigt auch Grüntees mit siedendem Wasser von 100°C überbrühen. Schwarztee und Oolongtee darf ebenfalls mit 100°C heißem Wasser überbrüht werden. Bei Früchte- und Kräutertees ist dies sogar zwingend notwendig, da die hohe Temperatur für das Aufquellen der Früchte bzw. das Herauslösen der arzneilichen Wirkstoffe in den Kräutern äußerst wichtig ist.
Hier noch mal in Zusammenfassung die Ziehzeiten, Temperaturen und Teeblattmengen:
Tee pur oder mit Zucker?
Wie man seinen Tee trinkt, ist letztlich Geschmackssache – ob pur, mit Zucker oder anderen süßenden Mitteln, mit Sahne oder Milch, mit Zitrone oder Rum. Grundsätzlich muss jedoch einem guten, mild aufgegossenen Tee nichts hinzugefügt werden. Meist beeinträchtigen die Zusatzaromen den Eigengeschmack des Tees derart, dass man letztlich nicht viel vom Teegenuss hat.
Zucker
Ganz abgesehen, dass Zucker Karies hervorruft und Vitamine und Mineralien im Körper zerstört, ist er natürlich ein Stimmungsaufheller, der schon mal an kalten, dunklen Wintertagen die Teezeremonie aufwerten kann. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Tee zu süßen: am beliebtesten ist sicherlich der Kandiszucker, der sich im Westen traditionell eingebürgert hat. Zuerst, um den manchmal bitteren Geschmack des zu lange gezogenen Tees zu übertünchen und später, weil es halt einfach dazu gehört. Normaler weißer oder brauner Zucker wird ebenfalls häufig verwendet, ist natürlich aber nicht ganz so stilvoll. Auch Ahornsirup und Honig werden gerne verwendet, vor allem in Kräutertees, die meist doch sehr herb schmecken und die bittere Arznei versüßen sollen.
Sahne oder Milch
Ursprünglich wurde in China Tee gerne mit Milch oder Sahne getrunken. Auch die Ostfriesen und Briten haben sich dies abgeschaut. Neueste Erkenntnisse jedoch besagen, dass die Milchproteine die positiven gefäßschützenden Eigenschaften des Tees aufheben oder zumindest stark minimieren.
Feinschmecker trinken, wenn überhaupt, nur Milch oder Sahne in Schwarzem Tee, niemals aber in Grüntees.
Zitrone
Zitrone wird häufig zu Schwarztees gereicht. Es verhindert ein unangenehmes Nachbittern, wenn der Tee zu lange in der Tasse steht und der Tee bleibt in seiner Färbung her hell. Zitrone vermindert jedoch auch die positiven Gerbstoffwirkungen des Tees und sollte daher nur in geringen Mengen dem Tee zugeführt werden. Außerdem beeinträchtigt es natürlich auch den Eigengeschmack des Tees.
Rum
Häufig wird auch Rum zum Tee serviert oder andere alkoholische Getränke, die dem Tee einen angenehmen „Schuss“ versetzen sollen. Auch hierzu kann nur gesagt werden, dass dies reine Geschmackssache ist, dem eigentlichen Teegenuss jedoch entgegensteht, da er den tee-eigenen Geschmack verfälscht.
Teekenner und -Fans trinken ihren Tee, vor allem Grüntees, immer pur – ohne jegliche Zusätze.
Und man kann sich daran auch gut gewöhnen. Irgendwann mag man seinen Tee wirklich nicht mehr anders trinken als pur, denn so nimmt man die unterschiedlichen Geschmacksnuancen der einzelnen Tees besser wahr. Mit Zucker oder anderen Zusätzen schmeckt irgendwann jeder Tee gleich.
Zuletzt sei noch gesagt, dass man selbstverständlich zwischendurch auch auf Teebeutel zurückgreifen kann, wenn es mal schnell gehen soll. Die Teeblätter in den Teebeuteln sind meist von genauso guter Qualität, bestehen nur einfach aus abgesiebten „Teebruch“. Dieser „Dust“ gibt durch seine vergrößerte Oberfläche viel schneller und mehr Aroma ab, weswegen man Beuteltee auch nicht so lange ziehen lassen sollte wie losen Tee.
Es ist einfach alles eine Frage der eigenen Vorliebe, ob man Tee lieber nur trinken möchte oder zelebrieren und genießen. |
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