|
|||||
|
Über die Entdeckung des Tees sind so einige Geschichten und Legenden im Umlauf – welche davon nun die einzig Wahre ist, lässt sich heute natürlich nicht mehr nachvollziehen. Möglicherweise stimmen auch alle auf ihre eigene Weise. Eine nette Geschichte hierzu ist die folgende: Kaisers Shen Nung – der "Sohn des Himmels" - machte in seinem Palastgarten bei einem Spaziergang Rast unter einem Baum. In einen Kessel vor ihm kochte ein wenig Wasser vor sich hin. Da fielen einige Blätter von dem Baum, unter dem der Kaiser saß, in das kochende Wasser. Es färbte sich leicht grün und verströmte einen angenehmen Duft. Gleich darauf probierte der Kaiser von diesem Getränk und fühlte sich danach erfrischt und angenehm belebt.
Eine weitere Geschichte dreht sich um den indischen Königssohn Bodhidharma, der seiner Legende zufolge während einer Meditation trotz aller Gegenwehr eingeschlafen sein soll und aus Wut hierüber seine Augenlider ausgerissen habe. Dort, wo die Augenlider auf den Boden gefallen sind, wuchs nach kurzer Zeit ein Strauch mit grünen Blättern. Bodhidharma kostete die Blätter und wurde sofort hellwach. Diese Geschichte zeigt auf jeden Fall die belebende Eigenschaft von Tee – wenn auch auf ziemlich krasse Weise. Noch heute bezeichnet in Japan ein und dasselbe Schriftzeichen sowohl den Begriff „Tee“ als auch „Augenlid“.
Der Tee, wie es ihn heute noch gibt, wurde erstmalig vor ca. 4700 Jahren in chinesischen Texten erwähnt. Vermutlich hat er also in China seinen Ursprung. Jahrtausende lang wurde der Tee in China und Indien aus gekochten oder sogar gerösteten Teeblättern als Arznei gegen eine Vielzahl von Krankheiten eingesetzt. Im 8. Jahrhundert n. Chr. entwickelte sich sogar eine regelrechte Wissenschaft um den Tee ausgehend von einem ehemaligen Zirkusclown mit dem Namen Lu-Yün. Er schrieb ganze Bände über Anbau und richtige Zubereitung darüber.
In China war es lange Zeit gebräuchlich, den im Wok gerösteten Tee zu pulverisieren und daraufhin in Milch aufzukochen. Teilweise wurde sogar noch Zutaten wie Reis, Salz, Zimt und Zwiebeln dazugegeben – für uns wohl eine recht unübliche Verfahrensweise. Viele Chinesen mischten jedoch – wie auch hierzulande nicht ungewöhnlich – Ingwer, Jasmin oder Orangenschalen unter die Teeblätter, um damit einen feinen Geschmack zu erzeugen.
In den Jahrhunderten nach Lu-Yün wurde die Teewissenschaft weiterentwickelt. Man stellte die ersten Tee-Porzellane her, die besonders kleine Trinkschälchen besaßen, da sich das Aroma des Tees hierin besonders hervorhob.
Zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert wurde der Tee – als Grüntee, welches auch die ursprüngliche Form des Tees ist – von buddistischen Mönchen nach Japan gebracht, wo sich im Laufe der Zeit die traditionelle japanische Teezeremonie entwickelte, die vorwiegend im Zen-Buddhismus angewendet wurde. Auch in Japan wurde die Teewissenschaft weitergetrieben und darum ganz eigene Gebräuche entwickelt.
Im 16. Jahrhundert wurde erstmals im Westen etwas über das anregende Getränk Tee (Cha) bekannt. Louis d'Almeidas und Joao Rodrigues berichteten über die japanischen Teezeremonien und den Anbau und Verarbeitung der Teepflanze. Im 16. Jahrhundert entstand dann die erste Handelsroute zwischen Holland und Japan, wodurch der Tee nach Europa gelangte und im Laufe der Zeit sich wachsender Beliebtheit erfreute. |
|||||
|
|||||