Seit der Entdeckung des Teegetränkes haben sich im Ursprungsland des Tees und im Laufe der Jahrhunderte auch in den Importländern verschiedene Rituale um den Teegenuss entwickelt. In vielen Kulturen wird Tee nicht einfach nur getrunken wie Wasser, sondern der Teegenuss wird zelebriert, teilweise mit sehr komplexen und ganz genau definierten Zubereitungs-Schritten wie z.B. in Japan.

Diese Rubrik soll daher einen kleinen Einblick in die verschiedenen Kulturen geben, in denen Tee getrunken wird und wie diese ihren Tee zelebrieren.

 

China

 

In China wird der Tee traditionell mehrmals aufgegossen, jedoch wird dieses Ritual nur mit Grüntee oder Oolong durchgeführt. Schwarztee eignet sich für dieses Ritual nicht.

Die Chinesen verwenden hierfür jedoch recht kleine Teekannen und auch kleine Trinkbecher. Das Teeporzellan wird zunächst heiß ausgespült. Dann werden die Teeblätter in die Kanne gegeben und mit der Hälfte des Wassers aufgegossen. 1-2 Minuten später werden die Teeblätter mit frischem siedenden Wasser übergossen und eine weitere Minute später wird der Tee ausgeschenkt. Dieser erste Ausschank wird als „Tee des Wohlgeruchs“ bezeichnet. Die Blätter sind in der Kanne inzwischen trocken gefallen und werden ein zweites Mal mit frischem siedendem Wasser überbrüht. Dieser Tee wird etwas länger ziehen gelassen und nennt sich dann „Tee des Wohlgeschmacks“. Der dritte Teeaufguss wird dann als „Tee der langen Freundschaft“ bezeichnet. Die Zahl der Aufgüsse unterscheidet sich von Region zu Region. Häufig wird der Tee noch einige weitere Male aufgegossen.

 

Die Chinesen sind wahre Aufgussmeister und genießen ihren Tee auch im Alltag mit mehreren Aufgüssen in steigenden Temperaturen. Für diese Variante gibt es spezielle Teebecher, die einen Deckel besitzen. Die Teeblätter verbleiben hier immer in der Tasse, so lange, bis kein Teeaufguss mehr gemacht wird. In den Teebecher wird also eine gewisse Menge an Teeblättern gegeben. Der erste Aufguss geschieht meist mit 60°C heißem Wasser und steigert sich pro Aufguss bis zu 100°C. Dann ist der Tee jedoch wirklich komplett „leergesaugt“ von Wirkstoffen und Mineralien.

 

Eine interessante, jedoch gewöhnungsbedürftige Methode, Tee zu trinken, ist die Teeziegelmethode, die in einigen Teilen Chinas angewendet wird. In einigen Regionen, z.B. in den Bergregionen Tibets, werden die Teeblätter nach Ernte und Behandlung zu Ziegeln gepresst. Davon wird dann immer ein Stück abgebrochen, in Wasser aufgelöst und dann mit Milch oder sogar Yak-Butter und Gewürzen versetzt. Häufig ist die Yak-Butter jedoch ranzig, was in erster Linie dem Geschmack des Tees nicht gerade zuträglich ist und in zweiter Linie krebserzeugend ist. Diese Methode ist also eher nicht zu empfehlen.

 

Ein schönes Teezeremoniell ist die Anwendung einer Teerose. Hierfür werden Teeblätter meist aus der ersten Frühjahrsernte nach der Dämpfung kunstvoll zusammengebunden und danach im Wok geröstet. Meist ergeben sich Gebilde wie Rosen, Fächer, Sterne, Kugeln oder Zylinder. Diese Gebilde werden in eine schöne Teeschale oder ein Glasgefäß gelegt und dann mehrfach übergossen. Beim Entfalten zeigt sich vor allem bei Teerosen eine rote Blüte, die in der Mitte eingebunden wurde, was den Teegenuss zu einem besonderen Erlebnis werden lässt.

 

 

Japan

 

Japan ist bekannt für seine ganz akribisch ausgeführten Teezeremonien, die immer nach streng festgelegten Regeln ablaufen. Das hat seinen Grund. Dazu muss man verstehen, dass die Teezeremonie in Japan tief in der chinesisch-japanischen Ethik verwurzelt sind, also im Shintoismus, Taoismus und vor allem im Buddhismus.

 

Der Buddhismus lehrt, dass der Mensch in Harmonie und Ehrfurcht mit der Schöpfung leben, innerlich und äußerlich rein sein und Achtsamkeit üben sollte. Stille und Frieden sollte sowohl in der Seele als auch in der Welt vorherrschen.

 

In diesem Sinne gestaltet sich auch die Teezeremonie, das Chanoyu, wo etwas eigentlich so alltägliches wie die Teezubereitung ganz bewusst und in Stille und Harmonie ausgeführt wird. Das Teezeremoniell ist letztlich vergleichbar mit einer Meditation, die das menschliche Handeln bewusst erleben lässt, die den eigenen Geist öffnen soll, um damit vielleicht ein besserer Mensch zu werden – zumindest mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen und den Alltag nicht nur nebenbei an sich vorübergehen zu lassen.

 

Der Teegenuss der japanischen Teezeremonie gestaltet sich deutlich anders als man es hier im Westen gewohnt ist. Nicht nur vom Ritual insgesamt, sondern auch geschmacklich. Für die Teezeremonie wird ausschließlich Matcha verwendet, das ist pulverisierter grüner Gyokuro-Tee, der in einer Trinkschalte mit einem Bambusbesen schaumig aufgeschlagen wird. Die Farbe des Tees ist dadurch extrem intensiv und auch die konsistenz eher cremig als wässrig, wie bei einem „normalen“ Teeaufguss.

 

Zu einer echten, traditionellen japanischen Teezeremonie gehören 24 Gegenstände, die für die Zubereitung und das Trinken benötigt werden. Darunter befindet sich ein kleiner Holzspatel (Chashaku), mit dem das Matchapulver in die Schale gegeben wird, der Bambusbesen (Chasen), mit dem der Tee schaumig geschlagen wird, die Teedose (Cha-ire), in der sich der Matcha-Tee befindet, die Trinkschale selbst (Chawan), ein zylindrischer Schöpflöffel (Hishaku), mit dem das siedende Wasser über das Matchapulver gegeben wird, ein Frischwassergefäß (Mizusashi), ein Wasserkessel (Kama), in dem sich das heiße Wasser befindet, ein seidenes Wischtuch (Fukusa), und noch einiges mehr. Sogar das Haus, in dem die Zeremonie stattfindet, kann als zeremonielles Zubehör gezählt werden.

 

Der genaue Ablauf der Teezeremonie ist zwar im Groben streng festgelegt, aber die Details variieren von Schule zu Schule. Schule – das impliziert schon, dass auch das Erlernen des Teezeremoniells keine einfache Sache ist, sondern lange Zeit genau einstudiert und erlernt werden muss. Nicht jeder kann daher eine solche Zeremonie durchführen. Dennoch gibt es auch Mini-Sets zu kaufen, mit denen man zu Hause ansatzweise ein eigenes japanisches Teezeremoniell abhalten kann – auch ohne spezielle Schulung. Dies ist zwar nicht traditionell, aber der Sinn und Zweck – nämlich der meditative Aspekt, die Einkehr in den eigenen Geist, das Finden von Ruhe und Stille in sich selbst – wird dennoch erfüllt.

 

 

England

 

Am wohl bekanntesten ist die „Zeremonie“ der englischen „Tea-Time“. Zuerst entstand im 19. Jahrhundert Afternoon Tea aus dem sich etwas später der Five o'Clock Tea entwickelte, zu dem man traditionell Sandwiches, Bisquits, Shortbread oder Scones servierte. Auch heute noch hat sich dieser Five o'Clock Tea gehalten. Was früher jedoch mit Grüntee begonnen hat, wird heute hauptsächlich mit Schwarztee weitergeführt. Inzwischen gibt es noch weitere Tee-Zeiten, den Early Morning Tea, der noch im Bett getrunken wird, den Breakfast Tea beim Frühstück und zum Abendessen der High Tea. In wie weit sich in der hektischen heutigen Zeit alle diese Teezeiten noch durchsetzen, ist fraglich, der Five o'Clock Tea jedenfalls hat immer noch Tradition.

 

Die Engländer bevorzugen eher kräftige Teesorten, wie Ceylon oder Assam. Diesem Tee wird Zucker, Milch, Sahne oder Zitrone zugefügt – je nach Geschmack. Wobei sie darauf achten, dass sie immer zuerst die Milch in die Tasse geben und dann den Tee. Hin und wieder zwischendurch wird auch gerne der mildere Darjeeling oder auch der Earl Grey (mit Bergamottöl aromatisiert) getrunken.

 

 

Ostfriesland

 

Hierzulande ist wohl jedem das friesische Teezeremoniell bekannt. Vor allem das Sätzchen „Pro Tasse einen Löffel Tee und noch einen Löffel für die Kanne“ hat hier seinen Ursprung.

 

Die Teekanne wird hierbei zunächst mit heißem Wasser vorgewärmt. Dann wird der Tee (meistens sehr kräftiger Assam-Tee) laut „Vorschrift“ (ein Löffel pro Tasse plus ein Löffel für die Kanne) in die Kanne gegeben und mit etwas siedendem Wasser angegossen. Nach ein bis zwei Minuten wird mit siedendem Wasser aufgefüllt. In die Teetassen, die relativ klein sind, wird Kandiszucker gelegt und der Tee dann durch ein Sieb darüber gegossen. Dabei knistert und knackt es in der Tasse. Fast immer wird etwas Sahne vorsichtig vom Rand her in die Tasse geschüttet, wodurch kleine Wölkchen im Tee entstehen. Der Tee wird auch nicht umgerührt, sondern so getrunken, dass man am Anfang von der Süße kaum etwas schmeckt und ganz zum Schluss dann erst das volle Zuckeraroma im Mund verspürt. Die Kanne wird erneut mit siedendem Wasser aufgefüllt, wenn die Kanne halb leer ist. Als Zeichen, dass man keinen Tee mehr möchte, wird die Tasse umgedreht auf den Unterteller gestellt oder der Löffel quer über die Tasse gelegt.

 

 

Tunesien/Marokko und arabische Länder

 

In Tunesien und Marokko wird vorwiegend Grüntee getrunken, der mit Minzblättern aufgegossen wird. Dadurch wirkt der Tee erfrischend und kühlend.

 

In Ägypten, der Türkei, Persien und den arabischen Ländern wird hingegen vorwiegend Schwarztee getrunken – und zwar sehr stark aufgebrüht. Dieser wird in ein Glas gegeben, in das zuvor bis zu einem viertel Zucker gefüllt wurde. Der Zucker soll letztenendes dafür sorgen, dass man genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, da in der Hitze dieser Wüstenländer sonst die Gefahr der Dehydrierung besteht. Natürlich sollte diese weitere Flüssigkeitszufuhr nicht nur aus diesem stark gesüßten Tee bestehen. In Persien fügt man dem Tee gerne noch Gewürze wie Kardamom zu.

 

Der Tee wird in diesen Ländern gerne in kleinen Runden getrunken, zu denen man sich in den Mittagsstunden trifft. Hierbei tauschen sich – vorwiegend die Männer – dann über Alltagsthemen aus.

Geburtstagsgrüße